Deutscher Kinderschutzbund

Ortsverband Zittau e. V.

Offener Treff - Kooperationsprojekt "fair_play"

 

„"fair_play" ist das erste Kooperationsprojekt von Jungen- und Mädchenarbeit auf Bundesebene. Träger des vom 1.7.12 bis 31.12.13 laufenden Projekts ist die BAG Jungenarbeit, Kooperationspartnerin die BAG Mädchenpolitik. Es wird geleitet von Michael Drogand-Strud für die BAG Jungenarbeit und Dr. Claudia Wallner für die BAG Mädchenpolitik.“ Quelle: http://www.bag-jungenarbeit.de/

 

 

Selbstbewusst raus aus Zittau und rein in die Großstadt

Partizipation mit Genderperspektive – wie soll das denn gehen? Diese Frage will das Projekt „fair_play“ der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Jungenarbeit in Kooperation mit der BAG Mädchenpolitik beantworten. Im letzten Herbst konnten so fünf Mädchen und sechs Jungen des Offenen Treff „Fair Play“ (die Namensähnlichkeiten sind purer Zufall) des DKSB OV Zittau e.V. selbst entscheiden, wofür sie die finanziellen Mittel für drei Übernachtungen und Fahrt- sowie Sachkosten verwenden wollen. Einzig der Zeitpunkt (Ferien) wurde von uns vorgegeben. Nach einer ersten Themensammlung, Diskussion und Abstimmung war schnell klar, was die Jugendlichen wollten: „Wir fahren nach Berlin und wollen ans Set von ‚Berlin - Tag und Nacht‘!“. Die RTL2-Doku-Soap ist bei fast allen Besucher_innen des Offenen Treffs bekannt und ein fester Bestandteil ihres Tagesablaufs. Wer die Serie kennt weiß allerdings auch, dass es darin vor Geschlechterstereotypen nur so wimmelt. Auf den ersten Blick nicht gerade das, was man sich unter einem „Genderprojekt“ vorstellt – wohl aber unter Partizipation. Denn für die Jugendlichen stand vor allem die Umsetzung eigener Wünsche im Vordergrund. Für die Mädchen stand „Spaß haben und shoppen“, „Darsteller_innen treffen“ und „Freizeit haben“ im Mittelpunkt. Auch die Jungen wollten mit dem Wunsch nach viel Freizeit ihre Unabhängigkeit beweisen und sich vor allem in Berlin bekannt machen – endlich raus aus der Provinz und jemand sein! Dahinter stand jedoch immer auch das Bedürfnis, anerkannt zu sein und anerkannt zu werden sowie Selbstwirksamkeitserfahrungen machen zu können. So konnte ein Mädchen ihre früheren Erfahrungen aus Berlin ganz praktisch in die Gesamtgruppe einbringen (Wie liest man den U-Bahn-Plan? Wo ist was in Berlin?) und erhielt dafür auch von Jungen großen Respekt. Auf einer nächtlichen U-Bahnfahrt trafen die Mädchen und Jungen einen Freestyle-Rapper der spontan einen Text über die Jugendlichen reimte – mehr Anerkennung von einem Fremden geht fast nicht.
Reibung mit der Betreuerin und dem Betreuer gab es an den Grenzen der Freiheit: Wie geht die Gruppe mit dem Außenseiter und der Außenseiterin um? Wie uncool ist es, nach 22 Uhr nicht mehr aus dem Hotel zu dürfen und auch den P16-Film nicht sehen zu können? Dahinter liegen immer auch geschlechtsspezifische Inszenierungsbedürfnisse der Mädchen und Jungen. In homogenen Gruppen wurden diese Bedürfnisse reflektiert und eigene Wünsche formuliert. In der Jungen- bzw. Mädchengruppe ist dies erst einmal leichter und es konnten auch sensiblere Dinge angesprochen werden. Mit etwas Glück trafen dann auch vier Jugendliche eine Darstellerin von „Berlin Tag und Nacht“. Das war aber nur das i-Tüpfelchen auf einer selbstbestimmten Reise von elf Mädchen und Jungen aus Zittau nach und durch Berlin.

Mehr Infos unter: http://www.bag-jungenarbeit.de

 

Christian Schwarzbach | Christin Heilmann

Deutscher Kinderschutzbund OV Zittau e.V.

Offener Treff „Fair Play“

Goethestraße 2

02763 Zittau

Telefon: 03583 - 540 33 80 oder 03583 - 540 33 33

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